Dienstag, 22. September 2015

Abschaltvorrichtung

Im Netz macht man sich schon lustig.
















Schon gewusst? VW-Chef hat nichts gewusst

Martin Winterkorn trinkt nur noch Korn: Nicht nur in der Bundesregierung gibt es Abschaltvorrichtungen, wenn Probleme auftauchen, die gibt es auch in Dieselfahrzeugen von VW. Weiß die Bundesregierung schon lange, Martin Winterkorn aber angeblich nicht. Der bedauert, nichts gewusst zu haben. 

Was passiert ist, hätte nie passieren dürfen, jammert der VW-Chef nun der Öffentlichkeit vor. Das habe die Belegschaft nicht verdient. Er auch nicht. Der Imageverlust sei riesig, die Rückstellungen für Forderungen aus den USA ebenfalls.

Nach solchen Skandalen wird meistens einer geopfert. Noch aber hat Angela Merkel dem Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nicht ihr "vollstes Vertrauen" ausgesprochen. Diese Voraussetzung für eine Entlassung fehlt also noch.

Wäre allerdings ausgerechnet Alexander Dobrindt weg, würde das kaum jemand merken. Geopfert werden muss nach solchen Skandalen möglichst ein Wichtiger. Sonst zünden die Nebelbomben nicht. Manchmal hat es die Bundeskanzlerin schon schwer.



Freitag, 28. August 2015

Ist das die SPD

Oder kann die weg?

"Manchmal fragt man sich, ob es sich bei der SPD tatsächlich um eine Partei handelt oder nicht vielmehr um eine Autoimmunstörung." So beginnt "Cicero"-Chefredakteur Christoph Schwennecke in der September-Ausgabe seine Betrachtungen über die sozialdemokratische Neigung zur Selbstzerstörung. Wenn Schwennecke jedoch meinen sollte, er könne seine anschließend eher ermüdenden Zeilen mit einem Satz, der an "Ist das Kunst oder kann das weg?" erinnert, über die ganze Magazinseite retten, dann irrt er sich. Die grundsätzlichen Probleme der SPD erkennt er nämlich nicht. Ob Sigmar Gabriel nun demontiert wird oder nicht, ändert nichts an der Tatsache, dass die Sozialdemokratie eigentlich schon an die CDU vergeben ist.

Angela Merkel als Bundeskanzlerin und Vorsitzende der CDU hat aus ihrer Partei eine Zweit-SPD gemacht, die sich die süßen Früchte der sozialdemokratischen Arbeit schmecken lässt, die sauren Früchte bekommt die SPD zurück. Die Rollen sind inzwischen derart perfekt verteilt, dass die meisten Wählerinnen und Wähler genauso vor sich hindösen wie die Kanzlerin. Wer döst, wählt auch nicht mehr. Das ist ebenfalls gut für Merkel. Eine geringe Wahlbeteiligung ist schlecht für die SPD, nicht für die CDU, die schon immer eher ein Kanzlerwahlverein gewesen ist als eine treibende politische Kraft zu neuen Obstgärten. 

Döst die Kanzlerin vor sich hin, wird der Vizekanzler schon einmal laut, was Christoph Schwennecke zu der Anmerkung veranlasst, dass Sigmar Gabriels "Impulsivität, Sprunghaftigkeit und Widersprüchlichkeit" dem Vizekanzler "immer wieder gehörige Probleme" machen, aber der "Cicero"-Chefredakteur hat gut schreiben, weil Merkel nie impulsiv ist, sondern abwartet, gar nicht sprunghaft sein kann, weil sie auf kein Problem anspringt, sondern von dem Problem angesprungen werden muss, und weil sich ihre Widersprüche immer in Wohlgefallen der vor sich Hindösenden auflösen.

Die SPD muss sich gar nicht selbst zerstören, die Zweit-SPD von Angela Merkel bleibt die beste Erfindung in der Geschichte der CDU seit es Fälschungen gibt, diese Fälschung ist so genial, dass die Kanzlerin sofort aus ihrer Partei austreten würde, wenn ihr jemand daraus einen Vorwurf machen würde.

Niemand erwartet von einer Fälschung, dass sie wirklich etwas wert ist, der Schein bestimmt das Bewusstsein bis zur Bewusstlosigkeit. Deswegen gibt es auch in der SPD immer mehr gefälschte Sozialdemokraten, vor Originalen wird gewarnt. Dem Gefälschten ist alles falsch - sogar jeder Hinweis auf die Herausforderungen der Zukunft, die schon jetzt an der Substanz zehren.