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Freitag, 28. August 2015

Ist das die SPD

Oder kann die weg?

"Manchmal fragt man sich, ob es sich bei der SPD tatsächlich um eine Partei handelt oder nicht vielmehr um eine Autoimmunstörung." So beginnt "Cicero"-Chefredakteur Christoph Schwennecke in der September-Ausgabe seine Betrachtungen über die sozialdemokratische Neigung zur Selbstzerstörung. Wenn Schwennecke jedoch meinen sollte, er könne seine anschließend eher ermüdenden Zeilen mit einem Satz, der an "Ist das Kunst oder kann das weg?" erinnert, über die ganze Magazinseite retten, dann irrt er sich. Die grundsätzlichen Probleme der SPD erkennt er nämlich nicht. Ob Sigmar Gabriel nun demontiert wird oder nicht, ändert nichts an der Tatsache, dass die Sozialdemokratie eigentlich schon an die CDU vergeben ist.

Angela Merkel als Bundeskanzlerin und Vorsitzende der CDU hat aus ihrer Partei eine Zweit-SPD gemacht, die sich die süßen Früchte der sozialdemokratischen Arbeit schmecken lässt, die sauren Früchte bekommt die SPD zurück. Die Rollen sind inzwischen derart perfekt verteilt, dass die meisten Wählerinnen und Wähler genauso vor sich hindösen wie die Kanzlerin. Wer döst, wählt auch nicht mehr. Das ist ebenfalls gut für Merkel. Eine geringe Wahlbeteiligung ist schlecht für die SPD, nicht für die CDU, die schon immer eher ein Kanzlerwahlverein gewesen ist als eine treibende politische Kraft zu neuen Obstgärten. 

Döst die Kanzlerin vor sich hin, wird der Vizekanzler schon einmal laut, was Christoph Schwennecke zu der Anmerkung veranlasst, dass Sigmar Gabriels "Impulsivität, Sprunghaftigkeit und Widersprüchlichkeit" dem Vizekanzler "immer wieder gehörige Probleme" machen, aber der "Cicero"-Chefredakteur hat gut schreiben, weil Merkel nie impulsiv ist, sondern abwartet, gar nicht sprunghaft sein kann, weil sie auf kein Problem anspringt, sondern von dem Problem angesprungen werden muss, und weil sich ihre Widersprüche immer in Wohlgefallen der vor sich Hindösenden auflösen.

Die SPD muss sich gar nicht selbst zerstören, die Zweit-SPD von Angela Merkel bleibt die beste Erfindung in der Geschichte der CDU seit es Fälschungen gibt, diese Fälschung ist so genial, dass die Kanzlerin sofort aus ihrer Partei austreten würde, wenn ihr jemand daraus einen Vorwurf machen würde.

Niemand erwartet von einer Fälschung, dass sie wirklich etwas wert ist, der Schein bestimmt das Bewusstsein bis zur Bewusstlosigkeit. Deswegen gibt es auch in der SPD immer mehr gefälschte Sozialdemokraten, vor Originalen wird gewarnt. Dem Gefälschten ist alles falsch - sogar jeder Hinweis auf die Herausforderungen der Zukunft, die schon jetzt an der Substanz zehren.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Angela Kirk








Will ihr Raumschiff verlassen

"Der internationale Konferenzraum liegt im ersten Stock des Kanzleramts und ähnelt der Brücke der Enterprise, der Kommandozentrale von Captain Kirk." ("Cicero", März-Ausgabe)

Demnächst will sich die Bundeskanzlerin zum Volk beamen lassen, auf diese Begegnung der ihr inzwischen unbekannten Art hat sie sich laut "Cicero" (Magazin für politische Kultur) bei einer Konferenz vorbereitet. Weitere Informationen bekam Angela Merkel in der März-Ausgabe von Timo Stein, der sich in Hamburg unter einen Hafenarbeiter mischte, von Christoph Seils, der sich in Dresden bei der "Sächsischen Zeitung" unter einen leitenden Redakteur mischte, von Vincenz Greiner, der sich im Oberallgäu unter einen Milchtechnologen mischte und von Georg Löwisch, der sich in Berlin-Pankow unter eine Bezirksstadträtin mischte.

Zu schlechter Letzt mischte am Artikel-Schluss auch noch Kersten Steinke als Vorsitzende des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages mit, die laut "Cicero" die "Kummertante der Nation" ist - oder zumindest "so etwas wie", wenn in Petitionen nicht nur geschimpft wird. Oder wenn sie eine Salbe geschickt bekommt - wie von mir. Hier klicken  Mit der erreichte ich nur eins: Wegen meiner Beschwerden über einen Justizskandal wurde ich nicht mehr von Pontius zu Pilatus geschickt, sondern weg. Fortan war ich kein Untertan mehr - sondern ein Weggetaner.

Dabei könnte alles so einfach sein: Laut einer Umfrage halten Deutsche, die eine Politikerin oder einen Politiker persönlich kennen mehr von diesem Berufsstand als jene Deutschen, die in dieser Hinsicht ohne persönlichen Bezug sind. Jeder Lobbyist wird das in der März-Ausgabe des "Cicero" erwähnte Umfrageergebnis bestätigen. Diese Freundschaft hält.

Warum dieses "Magazin für politische Kultur" diese Titelgeschichte erzählt, ohne sich wirklich unter das Volk zu mischen, dürfte gemischte Gründe haben. Die sinkende Wahlbeteiligung ist nämlich eigentlich gar kein Thema mehr, mit einer wirklichen Analyse würde man vielleicht schlafende Hunde aufmischen - die sich dann auch noch einmischen.

"Die Deutschen brechen ungern mit ihren Gewohnheiten und Traditionen. Wenn doch, entsteht: Angst", schreibt der "Cicero". So betrachtet verbreitet dieses Magazin keine Angst, sondern gepflegte Langeweile - die gehört zu den Gewohnheiten und Traditionen der deutschen Medien. Mit denen nicht gebrochen werden soll. Denn: Wer will dem deutschen Volk schon Angst machen? Sind doch gar keine Studenten auf der Straße...